Am 2. Adventssonntag war der große Tag für die evangelischen Gemeinden Dorheim und Bauernheim gekommen: In einem feierlichen Entpflichtungsgottesdienst wurde ihr langjähriger Pfarrer Hilmar Gronau nach 32 Dienstjahren aus seinem aktiven Pfarrdienst verabschiedet.
In die bis auf den letzten Platz besetzte Johanniskirche zog dieser in Begleitung der beiden Kirchenvorstände, des Verkündigungsteams sowie Pröpstin Anke Spory mit feierlicher Orgelmusik, dargeboten von Kantor Ulrich Seeger, ein.
In den sich anschließenden Stunden wurde deutlich, welch wichtiger Mensch Hilmar Gronau für seine Gemeinden in den vergangenen Jahrzehnten war und auch in Zukunft bleiben wird. Gronau selbst gestaltete besondere Elemente der Feier immer wieder selbst mit, denn als Vollblut-Musiker ließ er es sich nicht nehmen, mit musikalischen WeggefährtInnen Akzente zu setzen. Es wirkten mit: Jutta Balser, Peter Becker und seiner Band „Out of Eden“, der evangelische Kirchenchor unter der neuen Leitung von Philipp Langstroff, Tochter Violetta Gronau und deren Partner Lars Schneider.
Voller Emotionen war die Predigt, für die Gronau ein letztes Mal offiziell im Amt auf die Kanzel stieg. Sie war ein Rückblick auf die vergangenen Jahrzehnte als Pfarrer, in der so manche Anekdote die Zuhörenden zum Lachen brachte.
Die offizielle Entpflichtung erfolgte durch Pröpstin Anke Spory - die Ansprache hielt Dekan Volkhard Guth.
Als besonderes Abschiedsgeschenk übergaben ihm die beiden KV-Vorsitzenden Gräfin zu Solms-Laubach und Marita Glaub-Ostheimer eine massive Holzbank, die von den Behindertenwerkstätten „Kompass Leben“ in Alsfeld gebaut worden war.
Die Bank hat an ihrer Rückenlehne der Konfirmationsspruch des Pfarrers „Wenn Gott für mich ist, wer mag gegen mich sein?“ (Römer 8, 31+32).
Zum Abschluss des Gottesdienstes gab es ein Flashmob mit der Gemeinde. Nach und nach stimmten alle Anwesenden in das Lied „Tage wie diese“ ein, zu dem ein auf Gronau entworfener Text gesungen wurde.
Die sich anschließende öffentliche Feier im Dorheimer Bürgerhaus wurde begleitet von den Gardemädchen der Wetterfrösche und der Freiwilligen Feuerwehr. Grußworte wurden von Bürgermeister Kjetil Dahlhaus, Stadtverordnetenvorsteher Hendrik Hollender, den Bauernheimer Ortsvorsteher Alexander Hausner, Axel Pabst (Vorsitzender FFW), CCDW-Sitzungspräsident Marvin Wagner, Pfarrer i.R. Thomas Pfennigsdorf aus der Partnergemeinde Wörlitz-Vockerode in Sachsen-Anhalt gesprochen.
Musikbeiträge des Musikcorps und eine Tanzeinlage des CCDW-Männerballetts leiteten über in den späten Nachmittag, ab dem dann Gronaus Band „Out of Eden“ noch einmal für alle aufspielte. Bei Kaffee und Kuchen sowie deftigem Eintopf feierte man bis in den Abend.
Abschiedsrede von Gräfin Sylvia Solms-Laubach für Pfarrer Hilmar Gronau
Lieber Pfarrer Gronau,
liebe Familie Gronau,
liebe Gemeinde,
schwer fällt es mir, sehr schwer, hier zu stehen und Sie, lieber Herr Gronau, zu verabschieden und gleichzeitig für Ihre außergewöhnlichen 32 Jahre im Dienst unserer Kirchengemeinde zu danken.
32 Jahre, das ist eine lange Zeit. Eine Zeit, die unser Leben hier in Dorheim entscheidend geprägt, bereichert und verändert hat - in Freud und Leid, bei so vielen Gelegenheiten.
Doch was 32 Jahre wirklich bedeuten, können wir nur erahnen, wenn wir all die Momente und Geschichten in Erinnerung rufen, die jeder Einzelne mit Ihnen verbindet.
Lieber Herr Gronau, Sie sind nicht nur Pfarrer, der Gottes Wort verkündet - Sie sind viel mehr - ein Pfarrer mit Leib und Seele. Ein warmherziger, fröhlicher und positiver Mensch, der auch in schweren oder schlimmen Situationen noch Gutes oder Hoffnung sieht.
Schon mit 17 Jahren hatten Sie den Wunsch, einmal Pfarrer zu werden und haben sich da schon genau vorgestellt, wir Sie dann in einem Weihnachtsgottesdienst predigen.
Ihre Predigten hier bei uns waren packend und mit Ihrer Sprache, Ihren Beispielen, haben Sie uns berührt, ich könnte sagen, "Sie haben dem Volk aufs Maul geschaut", wie Martin Luther das so anschaulich formuliert hat.
Sie wussten immer, was uns bewegt, was uns Sorgen, was uns Hoffnung macht.
Wir alle haben in diesen Jahren gespürt, wie nah Sie unserem Vater im Himmel sind, wie tief Ihre Liebe zu ihm ist und wie sehr Sie ihm vertrauen - gerade in schweren Zeiten. Und daran haben Sie uns teilhaben lassen.
Dieses Vertrauen hat uns getragen, hat uns Orientierung gegeben und oft auch durch dunkle Momente geführt. Sie haben uns gezeigt, dass Glaube nicht etwas Abstraktes ist, sondern eine lebendige Kraft, die hält, stärkt und heilt.
Diese Kraft ist unser Heiland Jesus Christus, der für uns gestorben und auferstanden ist. Unser Glaube sagt uns, dass wir, wenn wir an ihn glauben und ihn in unser Herz einladen, durch ihn geheilt und zu neuen Menschen werden.
Sie sind ein empathischer Seelsorger, waren jahrelang in der Notfallseelsorge tätig. Sie haben begleitet und zugehört. In Freud und Leid haben Sie an unserer Seite gestanden - bei Taufen, Konfirmationen, Hochzeiten, schweren Abschieden.
Zu vielen Menschen hier in Dorheim haben Sie eine enge Beziehung aufgebaut und wir spürten in jedem Ihrer Besuche, Gesprächen oder Predigten: Ich werde ernst genommen, Sie fühlen mit mir, Sie sehen mich ganz persönlich. Dafür sind wir Ihnen unendlich dankbar.
Sie haben unser Gemeindeleben nicht nur verwaltet, Sie haben es belebt, gestaltet und getragen: als begeisterter Sänger im Kirchenchor, als Schauspieler in Sketchen, als Gitarrist und Klavierspieler, als Büttenredner, als Genießer - und als jener, der gerne selbst zupackt. Delegieren ist nicht so ihr Ding, lieber selbst anfassen, improvisieren, Lösungen finden - oft spontan, immer bodenständig, immer mit Herz.
Auch privat sind Sie etwas ganz Besonderes: als Familienmensch, als liebevoller Vater Ihrer 4 Kinder und bald stolzer Großvater Ihres 1. Enkelkindes. Und dass Sie wöchentlich mit Ihrer Frau tanzen gehen, zeigt uns Ihre Lebensfreude, Ihre Liebe und Treue, die Sie auszeichnen.
Und hier möchte ich einmal ganz besonders Ihnen, liebe Frau Gronau, danken - wir wissen ja "Hinter jedem großen Mann steht eine starke Frau" - Ihnen danken für Ihren unermüdlichen Einsatz bei der Kinderkirche, den Weltgebetstagen und dem jährlichen Krippenspiel.
Welche Geduld, welche Rücksichtnahme und welches Verständnis haben Sie in all den Jahren gezeigt. Das ist wirklich etwas ganz Besonderes. Ganz herzlichen Dank!
Dass Sie beide hier in Dorheim bleiben, ist für uns ein Riesenglück! Denn, ehrlich gesagt, wenn Sie wegziehen würden, kämen wir uns komplett amputiert vor.
So aber bleiben Sie uns wenigstens erhalten, mitten unter uns und nicht nur in Erinnerungen. Und wir sind uns sicher, es werden auch in Zukunft immer wieder Bitten und Wünsche an Sie herangetragen werden - für Hochzeiten, vielleicht auch für Beerdigungen, einfach, weil Sie vielen Menschen tief ins Herz gewachsen sind.
Gerade deshalb ist dieser Abschied für uns so schwer, wir sind traurig, wir sind wehmütig.
Mit Ihrem Ruhestand geht eine Ära zu Ende, die man nicht ersetzen kann. Doch diese Wehmut zeigt nur, wie viel Sie dieser Gemeinde bedeutet haben und bedeuten.
Für Ihre Zukunft wünschen wir Ihnen, dass Sie nun richtig viel Zeit haben - Zeit für Ihre Familie, Zeit für ausgedehnte Aufenthalte in Australien, mehr Zeit zum Tanzen, mehr Zeit zum Genießen, mehr Zeit mit Ihrer Frau.
Und wir hoffen sehr, dass Sie sich immer wieder das eine oder andere Projekt aus den Angeboten unserer Gemeinde herauspicken, das Ihnen Freude macht. Denn Ihre Freude und Ihre Liebe zu unserer Gemeinde wird sicher nicht einfach erlöschen.
Im Namen der ganzen Gemeinde danken wir Ihnen von Herzen für all das, was Sie für uns getan haben, für Ihre Worte. Ihre Zeit, Ihre Wärme, Ihren Glauben und Ihre Zuversicht.
Glücklicherweise gibt es für uns aber auch eine gute Aussicht, denn wir werden weiter betreut: von 2 wunderbaren Menschen, Pfarrerin Sophie Gesing und Pfarrer Joachim Neethen. Wir freuen uns auf Sie und begrüßen Sie heute hier ganz herzlich.
Lieber Herr Gronau, Sie werden uns sehr fehlen. Mit den besten Wünschen und Gottes reichem Segen für Ihren weiteren Weg...aber halt, es gibt noch eine Überraschung.
Diese Ruhebank ist ein Geschenk der Kirchenvorstände Dorheim und Bauernheim und der Familie Gebauer mit dem Wunsch, sie ganz oft zu benutzen!
Dort steht auch Ihr Konfirmationsspruch "Wenn Gott für mich ist, wer mag gegen mich sein".